

Raumfahrtidee und öffentliche Wahrnehmung
Burkhard Heim entwickelte seine Theorie nicht als rein abstraktes physikalisches Modell, sondern von Anfang an auch im Hinblick auf eine mögliche technische Anwendung. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob sich aus seiner Feldtheorie ein grundlegend neues Prinzip der Fortbewegung im Raum ableiten lässt.
Bereits Anfang der 1950er Jahre formulierte Heim das Konzept der sogenannten dynamischen Kontrabarie. Dieses sollte – im Unterschied zu konventionellen Raketenantrieben – nicht auf dem Ausstoß von Reaktionsmasse beruhen, sondern auf einer direkten Wechselwirkung von Feldern. Ziel war ein System, das eine kontrollierte Kraftwirkung erzeugt und damit Bewegungen im Gravitationsfeld ermöglicht.
Diese Ideen fanden früh öffentliche Aufmerksamkeit. Besonders ein Artikel in der Zeitschrift Kristall im Jahr 1955 („Kann man die Schwerkraft aufheben?“) führte dazu, dass Heim auch außerhalb enger Fachkreise wahrgenommen wurde. In den folgenden Jahren griffen weitere Zeitungen und Magazine – insbesondere im Zusammenhang mit seinem Vortrag 1959 in Rom – diese Themen auf und stellten sie häufig im Kontext eines möglichen „Raumantriebs“ dar.
Dabei ist zwischen öffentlicher Darstellung und tatsächlichem Forschungsstand zu unterscheiden: Die Berichterstattung verwendete oft vereinfachte oder zugespitzte Formulierungen, während Heim selbst von einem noch zu überprüfenden physikalischen Prinzip ausging.
Das experimentelle Programm zur Kontrabarie hatte genau diesen Zweck:
nicht nur die theoretischen Grundlagen weiterzuentwickeln, sondern konkret zu untersuchen, ob sich ein solcher Mechanismus im Labor nachweisen oder zumindest in Ansätzen realisieren lässt.

Gründung des Instituts
Die experimentelle Phase von Burkhard Heims Arbeit begann Mitte der 1950er Jahre im direkten Anschluss an seine theoretischen Entwicklungen zur Gravitation und Feldstruktur.
Bereits 1957 wurden erste konkrete Versuche zum Nachweis eines „kontrabarischen Effekts“ durchgeführt .
Um diese Arbeiten systematisch fortzuführen, wurde:
- 1958 ein eigenes Forschungsinstitut gegründet
- mit Sitz in Northeim
Dieses Institut trug zunächst den Namen:
- „Forschungsinstitut für Dynamische Kontrabarie und Astronautik e.V.“
und wurde später umbenannt in:
- „Deutsches Forschungsinstitut für Feldphysik e.V.“ (1960)
Am 12. April 1960 wurde es offiziell als gemeinnützige wissenschaftliche Einrichtung anerkannt .
Struktur und Organisation
Die experimentelle Arbeit war nicht zentral organisiert, sondern verteilte sich auf mehrere Gruppen:
- Northeim: zentrales Labor und Aufbau der Hauptanlage
- Hamburg: Entwicklung der Hochfrequenz- und Radar-Komponenten
- Hannover: Entwicklung von Messsystemen (insbesondere Gravimeter)
Diese Aufteilung führte jedoch zu erheblichen Koordinationsproblemen, da wichtige Komponenten oft nicht rechtzeitig verfügbar waren .
Ziel der Experimente
Das Ziel der sogenannten Kontrabarie-Versuche war:
die Umwandlung elektromagnetischer Energie (insbesondere Mikrowellen)
in eine direkt messbare Kraftwirkung (gravitative oder trägheitsartige Effekte)
Konkret sollte ein Effekt erzeugt werden, bei dem:
- ein Testkörper sein Gewicht periodisch verändert
- infolge eines neuartigen Feldprozesses
Aufbau des Experiments („Kontrabator“)
Die zentrale Versuchsanordnung bestand aus einem komplexen Gerät, oft als „Kontrabator“ bezeichnet.
Wesentliche Komponenten:
- Ringförmige Strukturen (Hohlleiter-Ringe)
- z. B. Innenradius: 9,15 cm
- Außenradius: 7,65 cm
- Anzahl: bis zu 60 Ringe
- Mikrowellenanregung (ca. 3 cm Wellenlänge)
- als optimaler Kompromiss zwischen Größe und Präzision berechnet
- als optimaler Kompromiss zwischen Größe und Präzision berechnet
- Hochfrequenzsysteme (Magnetron / Klystron)
- notwendig zur Erzeugung ausreichender Feldstärken
- notwendig zur Erzeugung ausreichender Feldstärken
- Messsystem:
- aufgehängter Probekörper
- dessen Lageänderung gemessen wird
- Umsetzung in elektrische Signale (Frequenzmodulation)
- Visualisierung auf Oszilloskop

Messprinzip
Der geplante Nachweis war indirekt und sehr anspruchsvoll:
- Ein Probekörper wird weich aufgehängt
- Der kontrabarische Effekt soll eine periodische Gewichtsänderung erzeugen
- Diese führt zu einer mechanischen Lageverschiebung
- Diese wird in eine elektrische Schwingung übersetzt
- Diese wird verstärkt und auf einem Oszilloskop sichtbar gemacht
Die gemessenen Kurven sollten anschließend mit theoretischen Integralkurven verglichen werden.

Umfang der Versuchsreihe
Die experimentelle Arbeit war umfangreicher, als oft angenommen:
- bereits 1956 etwa 800 Einzelversuche
- organisiert in:
- 4 Versuchs-Komplexe
- je 4–5 Serien
- je 40–50 Einzelversuche
Technische Probleme
Die Experimente scheiterten nicht an einem einzelnen Punkt, sondern an einer Kombination grundlegender Schwierigkeiten:
1. Signalprobleme
- extreme elektromagnetische Störungen
- unklare Messkurven (Überlagerungen statt klarer Signale)
2. Unzureichende Leistung
- benötigte Leistungen (z. B. ~1000 W) technisch schwer erreichbar
3. Präzisionsanforderungen
- Baugenauigkeit stark abhängig von Wellenlänge
- entweder riesige Apparaturen oder extreme Fertigungspräzision notwendig
4. Messtechnik
- notwendige Empfindlichkeiten im Mikrovolt- bzw. darunter liegenden Bereich
- technisch kaum realisierbar mit damaligen Mitteln
Finanzierung und Ressourcen
Die Finanzierung war begrenzt und fragmentiert:
- 1959:
- Bölkow: 10.000 DM
- Wolfgang Essen: 5.500 DM
- Hackländer: 1.200 DM
- Gesamtbudget teils nur wenige tausend DM
- Beispiel: nur 2920 DM für Geräteentwicklung
Die Folge:
- improvisierter Aufbau
- Materialbeschaffung aus:
- Elektroschrott
- Werkstätten
- geliehenen Maschinen
Rolle der Familie
Die experimentelle Arbeit war ohne Heims Familie nicht möglich:
- sein Vater arbeitete täglich bis zu 6 Stunden im Labor
- seine Mutter und später seine Frau unterstützten aktiv den Aufbau
Die Familie war damit faktisch ein integraler Bestandteil des Forschungsprogramms.
Ende des Projekts
Mehrere Faktoren führten zum Abbruch:
1. Finanzielle Probleme
- drastischer Rückgang der Mittel (1964 nur noch ~4000 DM)
2. Technische Stagnation
- keine eindeutige experimentelle Bestätigung
- zunehmende Komplexität
3. Persönlicher Einschnitt
Der entscheidende Bruch kam mit dem Tod seines Vaters:
- Dezember 1964
- Verlust seines wichtigsten Mitarbeiters und Unterstützers
Heim selbst beschreibt danach einen vollständigen Zusammenbruch seiner Arbeitsfähigkeit über mehrere Jahre hinweg.
Einordnung
Das Kontrabarie-Programm zeigt:
- Heim versuchte aktiv, seine Theorie experimentell zu testen
- Die Experimente waren hochgradig ambitioniert und ihrer Zeit voraus
- Die Umsetzung scheiterte primär an:
- Technologie
- Finanzierung
- organisatorischer Struktur
Diese Phase markiert den Übergang:
→ von einem experimentellen Ansatz
→ hin zur später dominierenden rein theoretischen Ausarbeitung seiner Feldtheorie

Aktuelle Arbeiten und Ausblick
Die heute verfügbaren Arbeiten, Herleitungen und Dokumente von Burkhard Heim werden derzeit systematisch analysiert, um die Grundlage für eine moderne Rekonstruktion und mögliche Weiterentwicklung des ursprünglichen experimentellen Programms zu schaffen. Ziel ist es, unter heutigen technologischen Bedingungen zu prüfen, ob sich die damals angestrebten Effekte präziser untersuchen oder neu realisieren lassen.
Parallel dazu betrachtet die neue Heim-Arbeitsgruppe auch aktiv andere historische und aktuelle experimentelle Programme, die möglicherweise auf ähnliche strukturelle Zusammenhänge hinweisen, wie sie Heim in seinem Versuchsaufbau zu zeigen versuchte. Dazu gehören insbesondere:
- Elektrogravitation nach Thomas Townsend Brown
Frühe Hochspannungs-Experimente mit asymmetrischen Elektroden und Kondensatoranordnungen, bei denen Brown gerichtete Kraftwirkungen beobachtete und als möglichen Hinweis auf eine elektrische Beeinflussung der Gravitation deutete. („Biefeld-Brown-Effekt“).
→ Hintergrund: https://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Townsend_Brown - „Exodus Effect“ (Alt Propulsion Research)
Ein Forschungsprogramm zu treibstoffloser Propulsion, das auf asymmetrischem elektrostatischem Druck in hochfeldigen, kondensatorähnlichen Strukturen basiert. Untersucht wird, ob speziell ausgelegte Elektroden-Dielektrika-Geometrien im Hochvakuum eine messbare Nettokraft erzeugen können, wobei insbesondere Ladungsspeicherung, dielektrisches Verhalten und die Unterdrückung von Ionenwind- oder Plasmaartefakten im Mittelpunkt stehen.
→ https://www.altpropulsion.com/exodus/ - Searl Effect Generator (SEG)
Ein kontrovers diskutiertes Konzept von rotierenden magnetischen Ring- und Rollenanordnungen, bei dem John Searl neben Energieanomalien auch levitations- oder antriebsähnliche Effekte behauptete. Der SEG hat vor allem im Bereich alternativer Antriebskonzepte Aufmerksamkeit erhalten, ist jedoch nicht unabhängig etabliert und bleibt Gegenstand spekulativer sowie kritischer Diskussionen.
→ https://www.altpropulsion.com/searl-effect/ - Mach-Effekt-Propulsion / „MEGA Drive“ von James F. Woodward
Ein theoretisch motivierter Ansatz für treibstofflose Propulsion, der auf von Woodward postulierten transienten Masseschwankungen im Zusammenhang mit Machs Prinzip beruht. Praktisch wird dies meist mit piezoelektrischen Stapelaktoren untersucht, die unter elektrischer Anregung winzige periodische Kraftüberschüsse erzeugen sollen. Das Konzept wurde unter der Bezeichnung MEGA Drive weiterentwickelt; die berichteten Effekte bleiben jedoch klein und bedürfen weiterhin unabhängiger Bestätigung. → https://www.altpropulsion.com/the-first-step-to-the-stars-james-f-woodwards-mega-drive-and-mach-effect-propulsion/ → https://www.altpropulsion.com/the-woodward-effect-machs-principle-and-carver-meads-g4v/
→ Hintergrund: https://en.wikipedia.org/wiki/Mach_effect Diese Forschungsrichtung wird heute unter anderem von Curtis Horn und weiteren Forschern weitergeführt und untersucht.
Ziel dieser vergleichenden Betrachtung ist es, mögliche Gemeinsamkeiten, Unterschiede und experimentelle Hinweise zu identifizieren, die im Kontext der Heim-Theorie eine neue Bewertung oder Interpretation erlauben könnten.
