Was bedeutet „Syntrometrische Maximentelezentrik“?

Der Titel von Burkhard Heims spätem Hauptwerk ist selbst schon ein verdichtetes Programm. Er ist nicht bloß Überschrift, sondern Teil der begrifflichen Architektur des Werkes. Wie an vielen anderen Stellen baut Heim auch hier keinen zufälligen Namen, sondern einen Ausdruck, in dem bereits eine bestimmte formale und philosophische Intention zusammengezogen ist. Das gilt besonders für die beiden Teile Syntrometrie und Maximentelezentrik, die sich jeweils aus griechisch-philosophischen Sinnschichten lesen lassen. Zugleich ist wichtig: Diese Zerlegung ist eine editorische Deutung der Wortarchitektur, nicht einfach eine von Heim selbst explizit gegebene Titelübersetzung. Heim bestimmt die Funktion des Begriffs Syntrometrie selbst, während die genauere Binnenanalyse des gesamten Titels aus seiner Terminologie und aus dem inneren Aufbau des Werkes rekonstruiert werden muß.

Der erste Teil, Syntrometrie, läßt sich sinnvoll aus drei Sinnkomponenten lesen: syn- im Sinn von „zusammen“, „mit“, „in Beziehung“; trop- / tropos im Sinn von Wendung, Weise, struktureller Ausrichtung; und metron / metria im Sinn von Maß, Ordnung und formaler Bestimmtheit. Heim selbst bestimmt Syntrometrie funktional als die Suche nach einem analytischen Schema, mit dessen Hilfe ein formales Operieren in beliebigen logischen Systemen möglich wird. In diesem Sinn kann Syntrometrie als eine formale Maß- und Ordnungslehre zusammengehöriger Strukturweisen verstanden werden. Sie zielt nicht nur auf einzelne Aussagen, sondern auf die Vergleichbarkeit und Formierbarkeit ganzer Aspekt- und Aussageordnungen.

Der zweite Teil, Maximentelezentrik, ist schwieriger, aber gerade deshalb aufschlußreich. Heim entfaltet im Werk selbst eine ganze Familie von tele-zentralen Begriffen: Telezentrum, Telezentrale, Nebentelezentren, Pseudotelezentrale, telezentrischer Bereich und die televariante äonische Area. Das zeigt, daß der Titel nicht poetisch gewählt ist, sondern auf eine reale innere Architektur des Werkes verweist.

Für die Deutung des Mittelteils entele- / tele- ist der aristotelische Hintergrund entscheidend. Telos bedeutet dort nicht bloß ein äußerliches Ziel, sondern das Ende, die Vollendung und die Erfüllung einer Sache gemäß ihrer eigenen Natur. Entelecheia bedeutet entsprechend die verwirklichte Vollgestalt, also das Zu-sich-selbst-Gekommensein dessen, was seiner Anlage nach schon als Möglichkeit in der Sache liegt. In diesem Sinn verweist entele- / tele- nicht bloß auf Zielgerichtetheit, sondern auf immanente Vollendung: auf eine Struktur, die ihre eigene Bestimmung in sich trägt und zu dieser Bestimmung gelangt.

Dazu paßt, daß Heim auch an anderer Stelle ausdrücklich mit der aristotelischen Wortfamilie arbeitet, etwa in der entelechalen Dimension. Diese wird im Begriffsregister als verborgene, zur physischen Raumzeit normale Weltdimension bestimmt; in den späteren Heim-nahen Darstellungen erscheint sie zusammen mit der äonischen Dimension als Hintergrundbereich von Organisation, Steuerung und innerer Weltordnung. Die Entelechie-Wortfamilie ist bei Heim also nicht zufällig, sondern gehört zu seinem erweiterten Weltverständnis.

Liest man den ganzen Titel zusammen, dann ergibt sich folgende vorsichtige editorische Gesamtdeutung:

  • Syntrometrie: formale Maß- und Ordnungslehre zusammengehöriger Strukturweisen
  • Maximentelezentrik: höchste oder maximale Zentrierung auf immanente Vollendung

Als Gesamtbewegung könnte der Titel daher ungefähr auf eine formale Lehre maximaler Zentrierung auf innere Vollendung hindeuten — also auf eine Ordnung von Strukturen, die nicht bloß äußerlich verknüpft sind, sondern auf ihre eigene höchste Erfüllung hin gesammelt und gegliedert werden.

Zur Einordnung von Heims Syntrometrischer Maximentelezentrik

Burkhard Heims Syntrometrische Maximentelezentrik gehört zu den ungewöhnlichsten und anspruchsvollsten Texten seines Gesamtwerks. Sie ist nicht einfach eine Ergänzung seiner Physik, sondern der Versuch, die Frage nach gültiger Erkenntnis selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass die gewöhnliche menschliche Logik und Wahrnehmungsform nur einen besonderen, anthropomorphen Zugang zur Wirklichkeit darstellen. Heim fragt deshalb, ob sich durch eine reflexive Abstraktion von dieser anthropomorphen Transzendentalästhetik eine allgemeinere Methodik gewinnen lässt. Diese Methodik nennt er Syntrometrie.

Der Text entfaltet diesen Gedanken nicht in lockerer essayistischer Form, sondern in einer eigentümlichen Verbindung aus Erkenntnistheorie, Begriffsanalyse und formaler Konstruktion. Heim beginnt mit der Analyse subjektiver Aspekte, also der Weise, in der Aussagen, Bewertungen und qualitative Prägungen innerhalb eines bestimmten Bewusstseins- oder Erkenntnisstandpunktes zusammenhängen. Von dort führt er über Aspektivsysteme, Kategorien, apodiktische Elemente, Funktoren und Quantoren zu seiner eigentlichen syntrometrischen Kernstruktur: der Syntrix. Auf diese folgen weitere Schichten wie Syntrixkorporationen, Enyphansyntrizen, Metroplextheorie, televariante Strukturen sowie im zweiten Teil anthropomorphe Syntrometrie, metronische Operationen und Selektortheorie. Schon der Aufbau des Werkes zeigt also, dass Heim hier eine allgemeine Strukturlehre von Erkenntnis, Ordnung, Genese und Zusammenhang anstrebt und nicht bloß eine terminologische Nebenbemerkung zu seiner Feldtheorie vorlegt.

Gerade deshalb ist die Syntrometrische Maximentelezentrik für heutige Leser oft schwer zugänglich. Heim verwendet eine eigene Sprache, führt zahlreiche Begriffe neu ein und verbindet philosophische Grundsatzfragen mit formal gemeinten Strukturen, ohne sie überall in moderner mathematischer Notation auszubuchstabieren. Das Werk ist historisch und systematisch von großem Gewicht, verlangt aber eine geduldige Rekonstruktion.

Die hier zusätzlich bereitgestellten englischen Arbeiten von Marko Miloradovic sind vor diesem Hintergrund zu verstehen. Sie sind keine bloßen wörtlichen Übersetzungen des Originals. Die Schrift Unifying Dimensions: Exploring Burkhard Heim’s Syntrometric Vision folgt dem Aufbau von Heims Werk eng und versucht, die Hauptgedanken Kapitel für Kapitel in englischer Sprache zu erschließen, zu erläutern und in einen größeren systematischen Zusammenhang zu stellen. Sie ist daher am ehesten als erweiterte analytische Aufarbeitung von Heims Syntrometrie zu lesen.

Die zweite Arbeit, A Modernized Syntrometric Logic: Foundations and Applications, geht noch einen Schritt weiter. Sie versteht sich ausdrücklich als Re-Interpretation, Modernisierung und Erweiterung von Heims Ansatz. Dazu werden Begriffe aus der Syntrometrie in die Sprache moderner Logik überführt: mit formaler Sprache, Kripke-Semantik, modalen und dynamischen Operatoren sowie einem Sequentenkalkül. Der Text versucht also nicht nur zu erklären, was Heim gesagt hat, sondern fragt, wie sich seine Grundideen mit heutigen logischen Mitteln präziser rekonstruieren und weiterentwickeln lassen.

Die beiden englischen Texte stehen damit in einem klaren Verhältnis zum Original: Sie ersetzen Heims Werk nicht, sondern bilden eine zweite Arbeitsebene über ihm. Die eine Ebene ist erschließend und interpretierend, die andere ausdrücklich modernisierend und weiterführend. Wer Heims eigene Denkbewegung, seine Begriffsbildung und seinen historischen Ansatz verstehen will, muss zum Original greifen. Wer einen systematischeren englischen Zugang sucht oder wissen möchte, wie sich syntrometrische Motive in heutiger Sprache rekonstruieren lassen, findet in den Arbeiten von Marko Miloradovic eine wertvolle Hilfe und eine eigenständige Weiterarbeit.

Schematische Darstellung der Organisationsstufen in der x₅-Dimension (Soma → Bios → Psyche → Pneuma) mit Aktivitätsströmen und Strukturkanälen.

Dieses Diagramm veranschaulicht Heims Konzept einer hierarchischen Organisation in x₅, der Dimension von Form, Information und Ordnung.

Die vertikale Achse zeigt zunehmende Organisationsstufen – von physikalischen Strukturen (Soma) bis hin zu höheren Strukturen (Bios, Psyche, Pneuma).

Die verzweigten Strukturen stellen Aktivitätsströme dar, die verschiedene Ebenen verbinden und den Austausch struktureller Information ermöglichen.

Das Metroplex-Konzept: Totalitäten von Syntromen als höhere Organisationsstrukturen in x₅.

Heim führt den Begriff des Metroplex als eine höhere strukturelle Einheit ein, die aus miteinander verknüpften Syntromen besteht.

Syntrome können als strukturierte Kombinationen elementarer Zustände verstanden werden, die durch logische Relationen zu größeren Einheiten verbunden sind.

Ein Metroplex stellt somit eine strukturierte Totalität dar, in der mehrere Syntrome zu einem kohärenten System zusammengefasst sind.

Schichtenstruktur von Metrophoren und Metroplex-Assoziationen über verschiedene physikalische Ebenen hinweg.

Dieses Diagramm zeigt, wie Metroplex-Strukturen mit verschiedenen Ebenen der physikalischen Realität verbunden sind – von Elementarteilchen bis zu biologischen Systemen.

Jede Ebene ist mit bestimmten Metrophoren verknüpft, während die Verbindungen durch Syntroklinen vermittelt werden, über die Aktivitätsströme zwischen den Ebenen übertragen werden.

Dies verdeutlicht Heims Ansatz, physikalische, biologische und höhere Strukturen als Teil eines gemeinsamen Strukturzusammenhangs zu verstehen.

Bemerkungen zur Publikation „Syntrometrische Maximentelezentrik“ (Historischer Text von Illobrand von Ludwiger)

Die wichtigste Arbeit, die von Burkhard Heim verfasst und bis heute noch nicht publiziert wurde, ist die „Syntrometrische Maximentelezentrik“. Bereits 1958 habe ich Teile des Manuskripts in einem der Laborräume von Heim in Northeim gesehen, als ich dort während der Semesterferien für ihn Untersuchungen zur Photophorese durchführte. Nach der Bedeutung des Titels befragt, erklärte Heim, dass es sich in diesem Manuskript um eine einheitliche Weltsicht handele, welche nicht nur die quantitativen Aussagen der Physik, sondern darüber hinaus auch qualitative organisatorische Bewertungen von Ereignissen als „Syntrometrie“ umfasse. Die Dynamik physikalischer Ereignisse, Lebensprozesse und psychischer Vorgänge sei jeweils auf Organisationsziele hin ausgerichtet, so genannte „Telezentren“. Sie erfolgten – wie Bewegungen von Objekten im Raum entlang von Geodäten – in einer entelechial gesteuerten Welt entlang von Extremalen zielführender Ideen, so genannten „Maximen“.

Erst im Jahre 1976 sah ich Heims Werk wieder. Nun waren die Unterlagen in zwei dicken DIN-A4 Büchern in Hardcover-Einbände eingebunden, angefüllt mit hunderten Schreibmaschinen-Seiten Text und mit Tinte eingefügten neuen Formelzeichen, die Frau Gerda Heim geschrieben hatte. Diese beiden Bücher zeigte Heim den Professoren Pascual Jordan (Hamburg), Gerhard Lyra (Göttingen) und Heinrich Hora (München) anlässlich eines Seminars in meiner Firma MBB (heute Airbus) in Ottobrunn, das ich für unsere Firmenleitung arrangiert hatte.

Die Physiker waren allerdings mehr an Heims phänomenologischer einheitlicher Feldtheorie und an seiner Herleitung einer einheitlichen Massenformel interessiert, weil daraus handfeste Experimente abgeleitet werden können. Daher schrieb und veröffentlichte Heim zunächst seine Bücher: „Elementarstrukturen der Materie“ (Band I: 1980/1989), (Band II: 1983) und 1996 gemeinsam mit Walter Dröscher: „Strukturen der physikalischen Welt und ihrer nichtmateriellen Seite.“ Ausblicke auf die „Syntrometrie“ gab Heim 1980 in einem Buch über „Postmortale Zustände?“. (Siemens-Direktor Selig fragte mich daraufhin, warum Heim ausgerechnet ein Buch „mit einem so furchtbaren Titel“ schreiben musste? Der Untertitel „Die televariante Area integraler Weltstrukturen“ konnte die Wissenschaftlichkeit auch nicht mehr retten. Denn damals durfte ein Physiker nicht über Bewusstseins- und Postmortem-Zustände schreiben, ohne schwerwiegende Konsequenzen für seine Reputation als Wissenschaftler befürchten zu müssen).

Mit der „Syntrometrie“, einer verallgemeinerten aspekt-bezogenen Logik, versucht Heim die Lösung des alten philosophischen Problems Leib-Seele bzw. Geist-Materie.

Wegen seines Todes im Jahr 2001 kam es weder zur Veröffentlichung der beiden Bücher „Syntrometrische Maximentelezentrik,“ noch zur Bearbeitung der Theorie psychischer Vorgänge. Es bleibt anderen Generationen von Logikern und Physikern vorbehalten, die Tiefen und Reichweiten der Heimschen Gedanken zu erkunden.

Der Text seiner formalen Logik ist mindestens ebenso schwer zu lesen wie derjenige von Gottlob Frege. Mehrere Physiker haben bereits die Manuskripte über die Syntrometrie gelesen. In meinem Buch „Das neue Weltbild des Physikers Burkhard Heim“ (2006/2013, Grünwald: Komplett-Media) und in der englischen Version dieses Buches werden die Grundgedanken zur Syntrometrie teilweise mit Heims eigenen Worten in den Kapiteln 10.3 bis 10.5 wiedergegeben und es werden mehrere grundlegende Definitionen der hierarchischen Begriffs-Struktur dieses logischen Systems zum leichteren Verständnis mittels Skizzen veranschaulicht, die nach Anweisungen von Heim gezeichnet wurden.

Vor der vorliegenden Publikation wollte ein Logiker und Doktorand der Mathematik in Cambridge Heims Text mit Fußnoten versehen, in denen jeweils Verweise auf ähnliche moderne Arbeiten von Logikern gegeben werden sollten (z.B. Theorie der Kategorien, Entity-Relationship-Modell aus der Grundlagentheorie der Datenbanksysteme usw.). Nach mehreren Jahren des Wartens unsererseits gab der Logiker seine Mitarbeit aus Zeitgründen auf.

Die Idee, zunächst eine kürzere, eingeschränkte Fassung zu publizieren, wurde bald aufgegeben. Dagegen versprachen wir uns von einer englischen Fassung die internationale Aufmerksamkeit, welche der Heim’schen Arbeit gebührt. Ein Mitglied des AK-Heim-Theorie, der seit einigen Jahren in New York lebt, hat versucht, den Text ins Englische zu übersetzen. Dabei stellte sich bald heraus, dass der Übersetzer die Bedeutung vieler Passagen nicht verstand, so dass er eine Übertragung ins Englische abbrechen musste. Nach Aussagen des Herausgebers der Heim-Bücher, Prof. DDr. Andreas Resch in Innsbruck, erging es einem Spanier ähnlich, der sich an die Übersetzung des Heim-Textes in seine Muttersprache gewagt hatte. Es ist zu hoffen, dass sich in Zukunft ein Verlag finden wird, der eine professionelle Übersetzung ins Englische übernimmt.

Wir haben uns entschlossen, die „Syntrometrische Maximentelezentrik“ von Burkhard Heim ungekürzt in der Originalfassung im Internet zu veröffentlichen.

Herr Stefan Klemenz aus Augsburg hat die mit Schreibmaschine geschriebene Version unentgeltlich in ein druckreifes Schriftbild gebracht und die formal-logischen Formelzeichen, die kein Computer-Matheprogramm kennt, neu generiert. Ein dritter Band wird von ihm zur Zeit bearbeitet.

Illobrand von Ludwiger, 20. Juni 2017

Syntrometrische Maximentelezentrik

Synmetronik der Welt (Teil C)

Während die „Syntrometrischen Maximentelezentrik“ auf einem Werk beruht, das unter Synmetronik der Welt A und B geführt wird, wollen wir hier auch die dreibändige Arbeit „Synmetronik der Welt C1, C2, C3“, welche zu Burkhard Heims bedeutendsten, bisher unveröffentlichten Manuskripten zählt, veröffentlichen. Diese und weitere Werke finden sie im Archiv.