Welche Bedeutung haben die Erkenntnisse der modernen Physik für die Medizin?
Am 9. Juni 1993 hielt Burkhard Heim im damaligen Klinikum Steglitz in Berlin einen Vortrag vor Mitgliedern der Wilhelm-Reich-Gesellschaft Berlin. Unter den ungefähr 30 Zuhörern befanden sich überwiegend Teilnehmer aus dem medizinischen Bereich.
Der rund 90-minütige Vortrag wurde auf Audiokassetten aufgezeichnet und später transkribiert. Er bietet einen unmittelbaren Einblick in Heims Denken und gehört zu den besonders interessanten mündlichen Darstellungen seines erweiterten Weltbildes.
Ausgehend von den Grundlagen moderner Physik entwickelt Heim seine Überlegungen zur geometrischen Struktur der Materie, zur Existenz zusätzlicher Dimensionen und zum Verhältnis von Information, Organisation und physikalischem Geschehen. Im letzten Teil wendet er sich ausführlich der Entstehung des Lebens, der biologischen Evolution und der Frage zu, ob sich lebende Systeme vollständig aus den Gesetzen der Physik erklären lassen.
Inhaltliche Übersicht
Realität, Wirklichkeit und menschliche Erkenntnis
Heim beginnt mit einer grundlegenden Unterscheidung zwischen Realität und menschlicher Wirklichkeit. Nicht alles, was existiert, muss für den Menschen unmittelbar wahrnehmbar sein. Während physikalische Vorgänge quantitativ beschrieben werden können, gehören auch qualitative Erfahrungen, psychische Erlebnisse und Bewusstseinsprozesse zur menschlichen Wirklichkeit.
Aus dieser Unterscheidung entwickelt er die Frage nach den Grenzen mathematischer Naturbeschreibung und nach dem Verhältnis unterschiedlicher wissenschaftlicher Erkenntnisbereiche.
Die geometrische Struktur der Materie
Anschließend erläutert Heim die Ausgangspunkte seiner einheitlichen Feldtheorie. Er diskutiert Erhaltungsprinzipien, das Wirkungsquant, die bekannten Wechselwirkungen und die Grenzen einer kontinuierlichen Beschreibung der Raumzeit.
Sein Ansatz führt zu einer quantisierten geometrischen Struktur der materiellen Welt. Aus dem von ihm verwendeten Dimensionsgesetz ergibt sich die Erweiterung der vierdimensionalen Raumzeit zu einem sechsdimensionalen Raum, der wiederum in einen zwölfdimensionalen Zusammenhang eingebettet wird.
Hyperraum, Information und Wahrscheinlichkeiten
Einen wichtigen Teil des Vortrags bildet die Interpretation der zusätzlichen Dimensionen. Heim unterscheidet den physischen Raum, die Zeitstruktur, organisatorische und informatorische Koordinaten sowie einen darüber hinausgehenden, nicht unmittelbar interpretierbaren Bereich.
Er beschreibt eine Folge von Abbildungen, durch welche Strukturen aus dem nichtmateriellen Hintergrund über informatorische und organisatorische Zwischenstufen in physikalischen Ereignissen wirksam werden könnten. Diese sogenannte Hyperraumdynamik verbindet Heim mit seiner Deutung quantenmechanischer Wahrscheinlichkeiten.
Die Entstehung des Lebens und biologische Evolution
Im letzten Abschnitt stellt Heim die Frage, wie aus unbelebter Materie lebende Organisation hervorgehen konnte. Er unterscheidet die Entstehung organischer Moleküle von der wesentlich schwierigeren Entstehung eines funktionsfähigen, sich selbst erhaltenden und reproduzierenden Systems.
Dabei spricht er über präbiotische Chemie, die Bedeutung des Wassers, genetische Information und die Organisation biologischer Prozesse. Auch die Evolution der Lebewesen und die Möglichkeit zusätzlicher organisatorischer Einflüsse werden diskutiert.
Besonders deutlich wird hier Heims umfassender theoretischer Anspruch: Die physikalische Beschreibung der Materie soll als Grundlage dienen, ohne die Phänomene des Lebens und des Erlebens vorschnell auf ausschließlich quantitative Aussagen zu reduzieren.
Originalaufnahmen
Die beiden folgenden Audioaufnahmen dokumentieren den Vortrag in Berlin-Steglitz vom 9. Juni 1993.
Teil 1a – Vortrag (ca. 51 Minuten)
Teil 1b – Fortsetzung des Vortrags (ca. 41 Minuten)
Transkript
Der vollständige Vortrag liegt außerdem als deutschsprachige Abschrift vor. Die vorliegende Fassung wurde anhand der historischen Tonaufnahmen überprüft und 2014 durch Olaf Posdzech korrigiert. Am Übergang zwischen den beiden Aufnahmeteilen fehlt ein kurzer Abschnitt.
Burkhard Heim – Vortrag Berlin-Steglitz 1993 (PDF herunterladen)
Bedeutung des Vortrags
Der Steglitzer Vortrag ist besonders wertvoll, weil Heim hier die Verbindung zwischen seiner physikalischen Theorie und den weiterführenden Fragen seines Weltbildes in zusammenhängender, weitgehend allgemeinverständlicher Form erläutert.
Er zeigt, wie Heim selbst den Übergang von der Physik zur Biologie und zu den qualitativen Bereichen menschlicher Erfahrung verstand. Zugleich dokumentiert er den Forschungsstand und die offenen Fragen seiner Arbeiten im Jahr 1993. Die weiterreichenden Hypothesen sind dabei als Teil seines theoretischen Programms zu verstehen, nicht als experimentell bestätigte Ergebnisse.
Der Vortrag bildet eine interessante Ergänzung zum MBB-Vortrag von 1976 und zu den umfangreicheren Berliner Vorträgen von 1994.
